Entwicklung der Hamelner Stromversorgung
Im Herbst 1904, und damit nur 22 Jahre nach der Errichtung des ersten öffentlichen Elektrizitätswerkes der Welt in New York, wurde in Hameln ein „städtisches Elektrizitätswerk“ in Betrieb genommen. Vorausgegangen war bereits drei Jahre zuvor die Beschlussfassung der Magistratsmitglieder, „eine bestimmte Anzahl von Firmen aufzufordern, Projekte für eine Zentrale zur Beleuchtung und Kraftabgabe in einem bestimmten Umfang anzufertigen und einzureichen“. So geschehen, war der Beschluss bemerkenswert, wenn man davon ausgeht, dass erst ab 1879 mit Erfindung und Patentierung der Glühlampe durch Thomas Edison das Elektrizitätszeitalter begann.
Der folgende Rückblick soll einige der wesentlichen Stationen in der Entwicklungsgeschichte des Elektrizitätswerkes aufzeigen.
1901
Die Mitglieder des Magistrats und des „Bürgervorsteher-Kollegiums" beschließen am 8.2.1901 die „Erbauung eines städtischen Elektrizitätswerkes“.
1904
Die Inbetriebnahme des von der Sachsenwerk „Licht- und Kraft AG, Niedersedlitz-Dresden“, erbauten Elektrizitätswerkes erfolgt im Herbst 1904.
Vorgesehen war zunächst nur die Erzeugung von Gleichstrom für den Antrieb der Maschinen in der eigenen Gasanstalt.
Veröffentlichungen im „Allgemeinen Anzeiger“ vom 21.2.1904 und Inserate über die bevorstehende Errichtung einer „elektrischen Kraftstation der Gasanstalt“ trugen dazu bei, dass bei Inbetriebnahme des E-Werkes bereits 15 „Konsumenten“ (die frühere Bezeichnung für Kunden) mit Gleichstrom versorgt wurden. Auf 3.363 kWh Strom stieg bereits in den ersten 5 Monaten die Stromerzeugung für die auf 24 angestiegene Zahl der Konsumenten, auch wenn die nicht gerade als kundenfreundlich zu bezeichnenden Bedingungen die Verpflichtung enthielten, „10 Jahre die angegebene Strommenge zum Preis von 0,60 Mark pro kWh abzunehmen sowie die Verzinsung und Amortisation für die Mehrausgaben der Anlage zu tragen“.
1906
Beschluss der „städtischen Kollegien“ für eine Erweiterung des E-Werkes aufgrund dem wachsendem Interesse, Inbetriebnahme einer 250-PS-Dampfmaschine.
1909
Erweiterung des E-Werkes durch Aufstellen einer 2. Dampfmaschine von 375 PS. Rund 400 kW elektrische Leistung konnte somit abgedeckt werden.
1913 - 1914
Ausbau des E-Werkes für Umformer und Transformatorenbetrieb. Anschluss an die Überlandzentrale „Wesertal“ am 28.10.1913 für den Strombezug (Drehstrom; bisher wurde Gleichstrom mit eigenen Maschinen erzeugt.)
Die Eisenbahnverwaltung entnimmt seit 1.4.1913 ihren gesamten Bedarf an elektrischer Energie vom E-Werk. Dies führt zu einer Steigerung der Stromabgabe von rund 81 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Aufbau einer elektrischen Straßenbeleuchtung. 12 Bogenlampen beleuchten von November bis Februar die Oster- und Bäckerstraße.
Mit einem Zuwachs von 81, 4 % verdoppelte sich fast die Stromabgabe im Jahr 1913/14, nachdem die Eisenbahnverwaltung ihren gesamten Bedarf an elektrischer Energie vom Elektrizitätswerk bezog.
1926
Wegen der ständig steigenden Anforderungen an die Stromversorgung erfolgt in den Jahren von 1926 bis 1934 die Umstellung des Leistungsnetzes von Gleichstrom auf Drehstrom.
1930
Stromabgabe übersteigt die 5-Mio. kWh-Grenze.
1934
Mit dem Stromlieferanten, dem Elektrizitätswerk Wesertal GmbH wird ein neuer Stromlieferungsvertrag abgeschlossen, der für die Berechnung erstmals einen Leistungs- und Arbeitspreis vorsieht.
1939
Eine neue 6-kV-Schaltstation in der Hafenstraße wird in Betrieb genommen.
1940 - 1949
Kriegs- und Nachkriegsjahre bedeuten in der Entwicklung des Elektrizitätswerkes einen Stillstand bzw. erheblichen Rückgang in der Stromabgabe (1940: 18,4 Mio. kWh, 1948: 14,9 Mio. kWh).
1950
Das E-Werk erlebt einen nicht vorhersehbaren Aufschwung. Um die von 30.000 im Jahre 1940 auf ca. 51.000 gestiegene Bevölkerung der Stadt Hameln mit Strom zu versorgen, den Energiebedarf des aufstrebenden Gewerbes und der Industrie zu decken, werden enorme Investitionen getätigt.
Im Hochspannungskabelnetz erfolgt die Verlegung eines Speisekabels vom Kraftwerk Wesertal zur Umschaltstation „Ohsener Straße“. Die stark wachsende Bautätigkeit erfordert die Erweiterung des Kabelnetzes, zahlreiche Hausanschlüsse und Stromzähler müssen verlegt bzw. beschafft und eingebaut werden.
1960
Verstärkung und Erneuerung der Leitungsnetze, Überlagerung des Niederspannungsnetzes mit Mittelspannung 6- und 25-kV, die später auf 10 und 30 kV umgestellt werden, Bau von Schaltanlagen und Transformatorenstationen, der Bau einer zentralen Schaltwarte für Überwachung und Steuerung des Stromflusses (1964).
Die Stadtwerke übernehmen von Wesertal die Stromversorgung des Ortsteileiles Rohrsen, damit ist das gesamte Stadtgebiet auch Versorgungsgebiet.
1964
Umstellung auf 30 kV-Hochspannungsebene.
1970
Von 1960 bis 1970 steigt der Strombedarf um über 100 % auf 120 Mio. kWh.
Die 70-er Jahre bringen jedoch einige Unterbrechungen der Aufwärtsentwicklung. Ölkrisen, Rezessionen und die Erkenntnis, dass Energievorräte sich auch einmal erschöpfen, lassen die Verantwortlichen zu dem Schluss kommen, dass Energie nicht weiter so sorglos verbraucht werden kann wie bisher.
1972
Nach Eingliederung der 12 Umlandgemeinden zum 1.1. 1972 schließen die Stadtwerke mit der Stadt Hameln einen langfristigen Konzessionsvertrag für Strom-, Gas- und Wasserlieferungen in dem neuen Versorgungsgebiet.
Die in den 70-er Jahren begonnene Sanierung der Hamelner Altstadt, der weitere Ausbau des Straßennetzes und die Erschließung von Neubaugebieten erfordern erneut umfangreiche Neu- und Umverlegungen von Stromkabeln, Gas- und Wasserleitungen.
1979
Die 25 kV-Bezugsspannung wird auf 30 kV umgestellt.
Die Planungen für die künftige 110-kV-Versorgung sind konkretisiert und erste Maßnahmen inzwischen eingeleitet worden.
Mit der Verlegung eines 2,6 km langen 110-kV-Kabels vom Kraftwerk Afferde bis zur Schalt- und Umspannstation Hafenstraße ist die Realisierung der Erweiterung für eine Hochspannungseinspeisung eingeleitet worden.
1981
Am 11.2.1981 erfolgt die erste Stromeinspeisung vom Wesertal Kraftwerk in Afferde über die auf unserem Betriebsgelände errichtete 110/10 kV-Freiluft-Umspann-Anlage.
1982
Im Oktober 1982 erfolgt die Inbetriebnahme der elektronischen SIEMENS-Tonfrequenz-Rundsteueranlage in den Schaltstationen Hafenstraße, Laaker Weg und Hastenbecker Weg.
1989
Die neue Netzleitstelle wird in Betrieb genommen. Die gesamte Steuerung und Überwachung läuft hier zusammen.
1995
In einer Teamarbeit der Jugendanstalt Hameln, dem Verkehrssicherheitsberater der Polizei und der Verkehrswacht Hameln wird das erste „Solar-Mofa“ Deutschlands mit einer TÜV-Zulassung gebaut. Der Bau der dafür notwendigen Solarstromtankstelle wurde durch uns geplant und finanziert.
1998
Mit dem Kauf der Wasserkraftanlagen werden die Stadtwerke zum Stromerzeuger. Rund 5 Prozent unseres Jahresstrombedarfs für Hameln werden umweltfreundlich eigenerzeugt. (pro Jahr rund 12 Mio. kWh)
Ein weiterer Beitrag zur Nutzung der Sonnenenergie: 325 m² Solarfläche werden zur Energiegewinnung und als Balkonüberdachung für die Niedrigenergiehäuser im Wohngebiet Rotenberg-Ost genutzt.
1999
Im April 1998 wird das Energiewirtschaftsgesetz geändert und damit das Zeitalter der Monopole in der Energieversorgung beendet. Das neue Gesetz hat die Grundlagen für einen Wettbewerbsmarkt geschaffen, der sich mit ungeahnter Dynamik entwickelt. Auch wir nehmen aktiv am Wettbewerb um den Kunden teil.
2000
Zum 1.1.2000 haben wir neue preisgünstige Wahltarife sowohl für Privat- als auch für Gewerbekunden eingeführt. Die Nutzung der Stromnetze durch Dritte stellt uns vor neue Anforderungen. Die für das Durchleitungsmanagement erforderlichen Voraussetzungen haben wir bei uns durch den Einbau entsprechender Messzähler und Installation einer Abrechnungssoftware geschaffen.
2001
Erweiterung unseres Tarifangebotes um das Produkt naturStrom. Es handelt sich dabei ausschließlich um Ökostrom aus erneuerbaren Energien.
2002
Nach der Erteilung der Lizenz durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post wird im August 2002 mit dem abschnittsweisen Ausbau des piper-net begonnen.
Im September wird eine neue 30-kV Schaltanlage auf unserem Betriebsgelände in Betrieb genommen.
2004
Wir feiern das Jubiläum 100 Jahre Stromversorgung in Hameln. Schwerpunkt ist eine erfolgreiche Ausstellung mit über 10.000 Besuchern im Hamelner Museum und die Ausstattung der Hamelner Schulen mit den Sonnenfängerboxen.
Mehr Infos hier.
2010
Im Zusammenhang mit der Sanierung der Fußgängerzone werden neue unterirdische Trafostationen eingebaut.
Die neuen Stationen gewährleisten weiterhin die sichere Stromversorgung der Altstadt rund um den Markt und ersetzen die alten, oberirdischen Trafostationen in diesem Bereich, die von der elektrischen Belastung an ihre Grenzen gestoßen sind.









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